Die Zucht? Gar nicht so schwierig...

 

Die Zucht ist bei meinem marokkanischen Pärchen genauso problemlos wie bei meinen Griechischen Landschildkröten, lediglich die beiden ersten Gelege erwiesen sich als unbefruchtet bzw. kamen nicht zum Schlupf. Alle folgenden, bebrüteten Gelege erzielten eine Schlupfrate von 100%. Inzwischen sind die ersten Nachzuchten bereits geschlechtreif und legen ebenfalls.


Testudo graeca, F1, bei der Eiablage

Das älteste Weibchen legt drei- bis viermal im Jahr im Abstand von 2-3 Wochen meist 4-6 Eier pro Gelege. Das erste Gelege des Jahres erfolgt üblicherweise im Laufe des April. Hier kam es es früher, je nach Wetterverhältnissen, gelegentlich zu Problemen, da das Weibchen keinen Eiablageplatz im Übergangs-Terrarium annahm, sondern die Eier lieber zurückhielt bis sie ins Freigehege durfte. Einmal mußte unser Klima dabei auch im Freien mit einer Wärmelampe nachgebessert werden, weil es bei Einbruch der Nacht zum Stillstand der bereits begonnenen Eiablage gekommen war. Inzwischen lebt das Tier ganzjährig im Gewächshaus und legt meist auch darin. Die Gelege können dort auch natürlich zum Schlupf kommen.

Eine sehr gute Beschreibung der Zucht von Landschildkröten haben die Schildkrötenfreunde in Basel online gestellt (siehe Linkliste). Sie kann genau so auch bei marokkanischen Schildkröten durchgeführt werden, deswegen verzichte ich hier auf eine Beschreibung. Lediglich die Inkubationszeit ist bei Testudo graeca länger als dort angegeben. Meine Jungtiere schlüpfen künstlich bebrütet nach ca 75-85 Tagen und als Naturbrut im Gewächshaus nach ca. 100 Tagen mit einem Schlupfgewicht von ca. 12g.

 

Unterbringung der Schlüpflinge:

Die Schlüpflinge verbringen die ersten Wochen am besten in einem bepflanzten Roll-Container, der je nach Witterung ins Freie oder ins Haus/Gewächshaus gestellt werden kann.

Bepflanzter Rollcontainer für die erste Zeit

Nach kurzer Zeit ziehen sie ins Jungtiergehege mit beheiztem Frühbeet um.

 

Technische Daten:

Frühbeet (Beckmann FT3, Plexiglas Alltop mit automatischem Öffner)
flachliegendes, leicht gewölbtes Korkrindenstück als Höhle, darunter feuchtes TKS-Erde Gemisch,
einige dunkle Tonziegeln als natürliche, durch die Sonne erwärmte "Fußbodenheizung",
Brennesselheu als Bodenbelag, hilft beim Umdrehen, da die Tierchen am Anfang häufiger mal auf dem Rücken landen
Stachellose Opuntie, wenige Wildkräuter, zum Fressen ist das Freigehege da...
Wärmespot: ZooMed Klemmlampe mit PAR 38 Flood Outdoor, Phillips, ab 3. Schlechtwettertag manuell per Funkfernbedienung zugeschaltet
Umlaufendes Heizkabel bzw. im Schutzhaus eingebaute Heizung mit Thermotimer (mind. 18°C)

Details zur Schuzhüttenbeheizung finden sich hier

Ernährung:

Gefüttert bekommen die Jungtiere das gleiche wie die Großen, Wildkräuter, Malvengewächse, Hibiskus, Opuntien und Heu. Dabei gilt, auch kleine Marokkaner sind gierige Fresser und müssen etwas gezügelt werden, damit sie gesund heran wachsen. Die sog. Selbstversorgung im Freigehege hat sich bei meinen Jungtieren nicht bewährt. Es kam zu deutlich stärkerem Wachstum als im Habitat. Ich habe deshalb sämtliche freßbaren Pflanzen aus dem Freigehege entfernt und nur einige Ziergräser als Schatten spendene Strukturpflanzen belassen. Die noch wachsenden Jungtiere bekommen ihr Futter inzwischen zugeteilt und rationiert! Im Sommer wird Futter nur noch an jeden 2.Tag angeboten, dann steht aber eine ausreichende Menge zur Verfügung, so daß auch möglichwerweise schwächere Tiere nicht zu kurz kommen. Pro Futtertag gibt es jeweils nur eine der folgenden Futtergruppen, damit nicht nur die "süßesten Früchte" herausgepickt werden.

Futterfolge im Hochsommer:

Sehr wichtig erscheint mir, ihnen eine große, flache Badeschale zur Verfügung zu stellen, die sie ausgiebig nutzen. Während der Terrarienzeit sorgt eine kleine Heizmatte (15cm x 15cm) unter der Badeschale für temperiertes Wasser, im Freigehege übernimmt die Sonne diese Aufgabe..


And that's what it's all about... :-))

 

Winterschlaf:

Ein Blick auf die folgende Graphik zeigt, daß der Winterschlaf auch für Schlüpflinge von Testudo graeca graeca die sicherere Option gegenüber einer langen Zeit im Terrarium ist. Bei warmer Überwinterung lag bei einer Studie eines französischen Forums die Sterblichkeit bei 41%, sank aber bei dreimonatigem Winterschlaf auf 5 %. Auffällig ist, daß diese allgemein als empfindlich eingestufte Art sogar mehr Probleme mit dem Auslassen des Winterschlafes hatte als Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni hermanni).




Beim Betrachten des obigen Diagrammes muß man berücksichtigen, daß die Stichprobenzahl n sehr unterschiedlich auf die einzelnen Arten bzw. Unterarten und auch auf die verschiedenen Winterschlaflängen verteilt ist. Man sollte die Daten deswegen nicht in absoluten Zahlen, sondern nur als Trend auffassen. Aufgrund niedriger Stückzahlen werden z.B. die Angaben für T.g.graeca unverhältnismäßig stark von einem Züchter mit ungewöhnlich hoher Sterblichkeitsrate beeinflußt. Läßt man ihn als offensichtlichen Ausreißer weg, liegt die Sterblichkeitsrate von Tgg in der gleichen Größenordnung wie die der anderen Arten.

Jugendwachstum von Testudo graeca

alle Habitatsdaten aus Znari at al. (2005), Université Cadi Ayyad, Marrakech (s. auch Literaturliste)

 

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Tabelle 1: Die älteren Tiere (Sigi bis Octavia) wurden in ihren ersten Lebensjahren als Selbstversorger (ad libitum) gefüttert,
die jüngeren Geschwister (Nona bis Tredecima) bekamen von Anfang an nur jeden zweiten Tag Futter.
Sie liegen gerade noch im Bereich der Extremwerte von Wildtieren in Marokko (MiniMoroccan und MaxiMoroccan).
Die Selbstversorger sind dagegen im Wachstum regelrecht explodiert.

 

 

Wachtum in Südmarokko


Tabelle 2: Jugendwachstum von Weibchen dreier Populationen Testudo graeca in Südmarokko

 

Tabelle 3: Jugendwachstum von Männchen dreier Populationen Testudo graeca in Südmarokko

 

Tabelle 4: Größenvergleich von Weibchen und Männchen der Admine Forest Population




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