Einfluss der Winterstarre auf die Sterblichkeitsrate bei Jungtieren der Gattung Testudo

Aline et Franck, Chéloniens n° 2, 2006

Mit freundlicher Genehmigung von http://tortues-actions.naturalforum.net

 

 

Einführung  

Die Autoren vermuten, dass bei Schildkröten der Gattung Testudo, die im Habitat normalerweise bereits im ersten Lebensjahr eine Winterstarre halten, ein Mangel an Winterschlaf einen starken Einfluss auf die Sterblichkeitsrate hat.

 

 

Material und Methoden

Die Daten wurden von Züchtern und Teilnehmern eines Schildkrötenforums im Frühjahr 2006 erhoben. Die Erhebung wird als repräsentativ betrachtet, da 1600 Daten aus ganz Frankreich gesammelt wurden (Abb. 1 und 2.), etwa gleich auf Nord- und auf Südfrankreich verteilt. Es wurde nicht nach Art der Überwinterung ( im Haus oder im Freiland) unterschieden und die Todesfälle wurden sowohl direkt nach dem Winterschlaf als auch im Laufe des Jahres berücksichtigt.

 

Ergebnisse

 

1. Schlüpflinge (n = 1414)  

Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate von Testudo graeca graeca und Testudo graeca ibera wurden die Daten in 2 Gruppen geteilt:

- 1. Gruppe: T. hermanni hermanni, T. hermanni boettgeri und T. marginata (Abb..3),
- 2. Gruppe: T. graeca graeca und T. graeca ibera (Abb.4)

Für beiden Gruppen wurden die Sterblichkeitsraten ermittelt und vorgestellt. Sie variieren in Abhängigkeit von der Länge des Winterschlafes. Für winterwache Schildkröten lag die Sterblichkeitsrate im Mittel aus beiden Gruppen bei ungefähr 27% und nahm bis auf 5% ab, wenn die Winterschlaflänge bei mindestens 3 Monaten lag. Bei winterwachen T. graeca graeca und T. graeca ibera lag die Sterblichkeitsrate sehr hoch, 30%.

 

2. Jungtiere (1 - 5 Jahre) (n = 186)

Hier wurde die Datenmenge nicht in Gruppen unterteilt. Die Sterblichkeitsrate sinkt von 14,7 % bei winterwachen Tieren auf 2,7%, bei Starrelängen von drei Monate und darüber (Abb. 5).

Bei den ein- bis fünfjährigen Jungtieren besteht die Gruppe der winterwachen Tiere fast ausschließlich aus T. graeca graeca und T. graeca ibera. Die Autoren betonen, dass Winterschlaf so wichtig ist wie adäquate Unterbringung und Fütterung.

 

Diskussion und Schluss  

Winterstarre ist ein gesunder und natürlicher Prozess im Leben von Landschildkröten. Die Sterblichkeitsrate sinkt bei Schlüpflingen und Jungtieren, wenn die Länge der Starre auf 3,5 bis 4 Monate zunimmt, was der normalen Länge der Starre in der Natur entspricht. Winterstarre ermöglicht einen natürlichen Ausleseprozess. Landschildkröten, denen keine Starre ermöglicht wird, werden normalerweise in Terrarien gehalten, was zu einem Mangel bzw. Überfluss an Nahrung, UV-B Strahlung und weiterem führen kann.

 

Hypothese zu den Gründen der hohen Sterblichkeitsrate bei fehlender Starre

Um die Schildkröten nach Ende der Starre im Frühling direkt wieder ins Freigehege setzen zu können wird der – verkürzte - Winterschlaf normalerweise bis Mitte Januar hinausgezögert. Nichtsdestotrotz sind die meisten Tiere bereits im November bereit zur Starre, weil ihr Stoffwechsel umgestellt und das Fress- und Aktivitätsverhalten stark reduziert ist. Werden die Tiere künstlich im Terrarium wach gehalten, sind sie unnatürlichen Verhältnissen ausgesetzt. Die Autoren schlagen deshalb vor, den natürlichen Jahresrythmus zu respektieren und die Starre im November beginnen zu lassen und nicht hinauszuzögern.

 

Die Autoren, Betreiber eines Forums, das sich um bessere Haltungsbedingungen von Schildkröten bemüht, danken hiermit ganz herzlich denjenigen, die zu dieser Studie beigetragen haben.




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