Die Maurische Landschildkröte in Marokko

Testudo graeca (LINNAEUS, 1758)


kleine bis mittelgroße Landschildkröten, die in Gefangenschaft über 100 Jahre alt werden können. Die höchste, verläßliche Altersangabe für die Art liegt bei ca. 164 Jahren (Timothy, das Maskottchen der britischen Marine). In der Natur liegt die Lebenserwartung aber bei einem Bruchteil dessen. Hier werden als Höchstalter 20-40 Jahre, gelegentlich 50 Jahre angegeben; ein Alter, das aber nur etwa 1% der geschlechtsreifen Tiere erreichen. Je nach klimatischen Bedingungen, auch innerhalb Marokkos, wird Winterruhe und/oder Sommerruhe gehalten.



Marokkanische Testudo graeca Unterarten:



Verbreitung der vier Unterarten

Die Taxonomie (Einteilung in Arten) ist im gesamten Graeca-Komplex noch sehr umstritten. Einige Autoren erkennen nur zwei Unterarten an, Testudo graeca graeca und Testudo graeca ibera (v. d. Kuyl et al., 2005), andere beschreiben allein für Marokko mindestens vier Unterarten, bzw. sogar eigenständige Arten (Pieh & Perälä, 2004). Fest steht, daß sich die Schildkröten aus diesem Komplex je nach geographischer Verbreitung sehr stark in Größe, Färbung, Zeichnung und weiteren morphologischen Merkmalen unterscheiden. Die folgende Einteilung geht auf A.Pieh (2000, 2004) zurück.

 


Fotos: Biodiversité

Merkmale: hochgewölbter Rückenpanzer, solide schwarze Zeichnungselemente auf gelber Grundfarbe mit Areolenflecken und schwarzen Banden auf den Wirbelschildern, Schenkelsporne sind immer vorhanden

Verbreitung: In Marokko östlich des Atlasgebirges, außerdem Algerien, Spanien und Sardinien

 


Fotos: Biodiversité

Merkmale: Kontrastreiche Färbung des Rückenpanzers mit Strichen und Linien, gelegentlich auch Sprenkeln auf gelbem bis ockerfarbenen Grund, solide schwarze Zeichnungselemente auf dem Bauchpanzer, kaum aufgewölbter Panzerrand, bei beiden Geschlechtern nicht eingebogenes Schwanzschild, Schenkelsporne immer vorhanden

Arider Landstrich mit Steppenklima westlich des Mittleren Atlas zwischen Chemaia Plateau im Süden und Rifgebirge im Norden, sowie Küstenstreifen nördlich des Rifgebirges

Lebensweise:

Biotop, Vegetationsform und Klima: (z.B. Umgebung von Marrakech, Jbilets Centrales) Felsenhügel und steinige Ebenen, durchzogen von sandigen, meist trocken liegenden Wadis, arides Klima mit Jahresniederschlägen < 250 mm, mittlere Tageshöchsttemperaturen im Sommer um 39 °C, mittlere Tagestiefsttemperaturen im Winter um 0°C. Die vorherrschende Vegetationsform ist Steppe mit Dornensträuchern (Zizyphus lotus), Weißer Ginster (Retama monosperma) und Akazien. In den Kulturflächen des Souss-Tales finden Landschildkröten auch Schutz vor Freßfeinden und ein nicht von Haustieren überweidetes Nahrungsangebot im Bereich der künstlich angelegten Kaktushecken (Opuntia ficus indica), die selbst auch als Nahrungsquelle dienen. Im Souss-Tal fallen die mittleren Tiefsttemperaturen selten unter 13°- 14°C. Es wird deshalb kein Winterschlaf gehalten. Dagegen bleiben die Tiere während der heißen Jahreszeit Juli/August meist inaktiv.

Vorkommen im hohen Atlas bis etwa in 2000m Höhe

Home Ranges (Reviergröße), Bestandsdichte: Weibchen nutzen mit 0,24 ha im Durchschnitt etwas größere Reviere als Männchen (0,17ha), ca. 7 Tiere kommen auf 10.000 m²

Ernährung im Habitat: Überwiegend Wildkräuter mit deutlichen Nahrungsvorlieben: bei den Testudo graeca soussensis der Jbilet-Population zum Beispiel machen nur fünf Pflanzenarten (Hornklee, Malven, Tragant, Schneckenklee und Herbstlöwenzahn) etwa 70 Prozent der Gesamtnahrungsaufnahme aus. Die gelegentliche Aufnahme von Wirbellosen wurde nachgewiesen

Fortpflanzung: Die Balz bei Testudo graeca besteht vorwiegend aus einem Umkreisen des Weibchens durch das Männchen mit vielen Rammstößen gegen ihren hinteren Panzerrand. Versucht das Weibchen zu fliehen, wird es vom kleineren und wendigeren Männchen überholt und von allen Seiten so lange gerammt und gebissen bis es stehen bleibt und die Extremitäten einzieht. Das Männchen kann so aufreiten und stößt hohe pfeifende Paarungslaute aus, die möglicherweise stimulierend auf das Weibchen wirken. Ist das Weibchen paarungsbereit, hebt es den hinteren Panzerrand, wodurch eine erfolgreiche Kopulation erst ermöglicht wird. Paarungsaktivitäten finden im Frühjahr und Herbst statt, die Eiablage im Mai bis Juni (2-3 mal im Jahr 3 - 7 Eier) . Inkubationszeit ist je mach Witterung bis zu 130 Tage. Bei der Gattung Testudo wird das Geschlecht nicht bei der Befruchtung festgelegt, sondern durch die Höhe der Bruttemperatur bei der Inkubation. Unter konstanten Laborbedingungen entstehen bei Temperaturen bis 30,5°C Männchen, darüber Weibchen.

Jugendentwicklung, Größe: Testudo graeca wächst wie alle Schildkröten bis zum Eintritt der Geschlechtsreife schnell und dann zunehmend langsamer. Die dabei entstehenden regelmässigen jährlichen Wachstumsringe an den Schildern können bei Wildtieren zur Altersschätzung herangezogen werden. Unterschieden werden 3 Phasen, breite, mittlere und schmale Zuwachsstreifen. Der Übergang von breiten zu mittleren Wachstumsringen gilt als Eintritt der Geschlechtsreife. Bei einer Untersuchung an Tieren nördlich von Marrakech (Jbilets) wurden folgende Durchschnittswerte gefunden: Carapaxlänge von ca 12, 5 cm / 436g bei Männchen und 14 cm / 628g bei Weibchen. Tiere im Souss-Tal werden größer, durchschnittlich ca.14,5 cm / 672 g bei Männchen und 18,5 cm / 1426 g bei Weibchen. Ab etwa einem Alter von 15 Jahren ist kaum noch Längenwachstum festzustellen. Testudo graeca soussensis ist die größte marrokkanische Unterart mit Maximalgrößen über 20cm CL.

Geschlechtsdimorphismus

Geschlechtsreife / Lebenserwartung: Der Eintritt der Geschlechtsreife hängt vom Wachstum ab und variiert daher etwas. Bei den Testudo graeca soussensis der Jbilet-Population erreichen Männchen die Geschlechtsreife im Durchschnitt mit ca. 7-8 Jahren, Weibchen erst mit 9-11 Jahren. Die Tiere werden in der Natur selten älter als 20 Jahre.

Altersstruktur/Geschlechterverhältnis: Nach einer Untersuchung bei Testudo graeca graeca sterben rund 40% der Schlüpflinge innerhalb von 8 Monaten eines natürlichen Todes, weitere fallen Fressfeinden oder Unfällen zum Opfer. Der Jungtieranteil in den Populationen ist deshalb meist sehr gering < 30%. Das Geschlechtsverhältnis beträgt ca 1 :1.

Natürliche Feinde: Vor allem Gelege, Schlüpflinge und Jungtiere werden Opfer von Raub- und Rabenvögeln, Ratten, Mardern, Wildschweinen, Füchsen, aber auch verwilderten Hunden und Katzen.


Die obigen Angaben stammen aus Publikationen von J.R.Bayley & A.C.Highfield (1996), C.Diaz-Paniagua (2001), M.Lambert (1981), H.El Mouden (2001, 2005), A.Pieh (2000, 2004), T.Slimani (2001)



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