Der Hohe Atlas

von Olivier Filippi

 

 

Unweit von Marrakesch beherbergen die Ausläufer des Atlas eine interessante Flora mit zahlreichen endemischen Pflanzen. Hier Polygala balansae, dessen gelbe und purpurfarbene Blüten, ähnlich denen eines Ginsters, an noch blattlosen Zweigen erscheinen.

Retama monosperma, der weiße Ginster biegt sich unter der Last seiner duftenden Blüten. Trotz der eiskalten Nächte bietet sich der Monat Januar für eine Reise in den Süden Marokkos an, gute Lichtverhältnisse und strahlend blauer Himmel. Zahlreiche Pflanzen blühen schon, da es im Frühling bereits so heiß wird, daß die Pflanzen in die Ruhephase übergehen..
Der spektakuläre Anblick von Euphorbia resinifera charakterisiert die Landschaft. Unter den verschiedenen, kakteenartigen Euphorbien Marokkos ist sie diejenige mit den größten Ausmaßen, mit Stämmen von teilweise mehr als zwei Metern Breite.
Die Dörfer aus Lehmhäusern verschmelzen mit den Farben des Felsens. Die flachen Dächer werden ohne Ziegel gebaut, eine dicke Tonschicht bedeckt eine auf den Balken befestigte Strohmatte und ergibt so sowohl im Winter als auch im Sommer eine gute Isolierung.

Auf der Straße zum Paß "Tizi-n-Test" klettern Clematis cirrhosa an Pistacia lentiscus empor, das Ganze dekorativ von grünen Eichenwäldern umrahmt. An lichten Stellen vermischen sich Globularia alypum mit Cistus creticus und Centranthus angustifolius.

Schafe sind von den jungen Sprossen von Teucrium fruticans sehr angetan und so gleichen diese Pflanzen eher kurz geschnittenen Kissen, die kaum über die Kieselsteine herausragen, als sich zu stattlichen Sträuchern zu entwickeln. Wir suchten daher an Steilhängen, die für die Herden unzugänglich sind und haben dort Vorkommen von Teucrium mit einer bemerkenswerten Vielfalt an Blütenfarben entdeckt, weiß, hell violett, kräftig blau bis hin zu dunkelviolett.
Auf dem Weg nach oben wird das Tal um das trockene Bett des Wadi enger. Einige schöne Exemplare von Tetraclinis articulata haben als Relikte eines früher dichten Waldes überlebt. Auch Berber-Thuja genannt, besitzen sie ein duftendes rotes Holz, das seit dem Altertum für Einlegearbeiten benutzt und jetzt auch zu Touristensouvenirs geschnitzt wird.
In einer fast anorganisch anmutenden Landschaft zieht sich ein Band von Oleandern entlang der Schlucht nach oben. Wir haben lange nach den höchsten Vorkommen von Oleandern gesucht, um auf den entlegensten Abhängen Samen zu ernten.
Trotz des Windes und der Kälte ist der Oleander gut an das raue Klima in 2000m Höhe angepasst.

Die Hochebenen des Atlas sind das Reich der Schafe. Die Überweidung hat die Landschaft geformt und die Vegetation fast gänzlich eliminiert. Als Folge daraus entstand eine starke Erosion in einer Region, in der es heftige Gewitterregen gibt.

Durch ihren hautreizenden Milchsaft geschützt, widerstehen Euphorbia nicaensis und ihre Begleitpflanzen Ruta tuberculata den Zähnen der Schafe.

Ausflug in den Atlas, zu sehen ist das Gehöft eines Marabout (islamischer Einsiedler) im Morgenlicht. Kaum zu glauben, früher waren die Hänge dieses Gebirges mit Wäldern aus Juniperus thurifera bedeckt, der inzwischen als Bau- und Feuerholz geschlagen wurde.

Silhouette eines Juniperus thurifera, einzelstehendes Relikt im Gebirge

 

Ein hundertjähriger Juniperus oxycedrus, dessen Äste Jahrzehnte lang geschnitten worden. Seit kurzem gibt es in allen Bergdörfern Flaschengas. Der Holzbedarf für die Küche ist deshalb stark zurückgegangen, was eine erneute Entwicklung von holzigen Pflanzen erlaubt.

Ab 2500 m der Höhe besteht die Vegetation aus Trockenpflanzen, in Gruppen versammelt, um besser gegen die Trockenheit und die Kälte geschützt zu sein. Hier zeigt Astragalus armatus seine ersten Blüten inmitten starker Dornen.

Bupleurum spinosum, ein wahres Dorngestrüpp, um die Samen ernten zu können, haben wir vorsichtig ein Papier unter die Zweige geschoben und anschließend die Pflanze mit einem Stab gerüttelt.

Durch die Hochtäler des Atlas fegt im Winter ein eisiger Wind. Wenn er manchmal tagelang bläst, flüchten Menschen und Tiere in ihren Unterschlupf. Das Leben scheint in den kleinen Bergdörfern zum Stillstand zu kommen. Vom Winde geformt, steht der Stamm eines Juniperus auf einem Gipfel.

Ab 3000 m verschwindet die Vegetation unter Schnee. Im Hintergrund die Hänge des Djebel Toubkal, des höchsten Gipfels von Nordafrika.

 

 

Das Souss-Tal

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