Der Anti-Atlas

von Olivier Filippi

 

Auf den ersten Blick oft nüchtern wirkend, birgt der Anti-Atlas Schätze für Pflanzenliebhaber. Hoch über den trockenen Tälern beherrscht die Zwergpalme Chamaerops humilis var. sericea stolz mit ihrem silberblauem Laub die Landschaft.

Ausflug zum Adrar M'qorn auf der Suche nach einer seltenen Cistusart, Cistus creticus var. trabutii, von der es hier einige kleine Vorkommen zwischen 1800 und 2000 m Höhe gibt. Erodium sebaceum und Thymus saturejoides bilden niedrige Büschel im Geröll von rosa Marmor.

 

Eingenistet in den wärmenden Schutz des Felsens ist Erodium sebaceum bereits in voller Blüte

Geographisch von den anderen Cistusarten isoliert, hat Cistus creticus var. trabutii ein sehr krausblättriges Laub entwickelt, das jenem von Cistus crispus ähnelt. Die älteren Blätter werden von silbrigem Flaum bedeckt, der es der Pflanze ermöglicht, Licht und Hitze besser zu widerstehen.

 

Convolvulus trabutii scheint Trockenheit gegenüber unempfindlich zu sein. Er hat nicht viele Blätter, ein Teil der Photosynthese wird durch die dornigen Zweige bewirkt, was ihm erlaubt, die Verdunstung gering zu halten. Er kommt im Anti-Atlas häufig vor, sogar bis zum Süden an der Grenze zur Wüste.

 

im Umkreis der hochgelegenen Dörfer waren die Mandelbäume in voller Blüte, einen guten Monat dem Süden Frankreichs voraus!

 

Ein Fenster zum Garten, der Mandelbaum erfüllt mit seinem Duft die stille Luft.

In den Tälern in der Nähe der Wadis wird das Wasser sorgsam durch Kanäle von Terrasse zu Terrasse geführt, die in den Felsen gegraben wurden. In der Umgebung der Dörfer verwandelt sich der Berg in Gärten, in denen sich kleine Gersten- und Mandelbaumparzellen abwechseln..

 

Um die Wege so gering wie möglich zu halten, werden die Dreschflächen in die Nähe der Kulturflächen gebaut.

 

Großartige Entdeckung für uns, ein Lavendelbusch, Lavandula stoechas ssp. Atlantica, mit Samen bedeckt erwartet uns an einem Umweg. Es ist eine Pflanze, die wir lange gesucht hatten, nämlich diejenige Unterart von Lavandula stoechas, die in Kalkgelände wächst.

 

Sehr häufig dagegen ist Lavandula multifida. Er blüht außer im Sommer fast das ganze Jahr. Der starke Majoran-Geruch seiner Blätter überrascht immer wieder.

 

 

Lavandula dentata f. Rosea, ein anderes unverhofftes Fundstück. Für Lavendelliebhaber ist eine Reise in den Süden Marokkos eine wahre Schatzsuche mit vielfachem Lohn.

 

Lavandula tenuisecta hat dunkelblaue, langstielige Blüten, es ist eine der elegantesten Arten.

Lavandula mairei subsp. mairei gefällt sich im Kieselgeröll. Sein buschiger Wuchs, sein dunkelgrünes Laub und seine violetten Blüten erinnern etwas an Ysopkraut

 

Im Osten des Anti- Atlas findet sich die Flora der macronesischen Zone, das heißt, es wachsen Pflanzen, die denen der Kanarischen Inseln ähneln. Hier Aeonium arboreum , dessen blühende Büschel in den trockenen Abhängen

In den Tälern des Süden ist Wasser rar und die Dörfer liegen isoliert inmitten düsterer Berge

In der Nähe der Häuser ersetzen Berberfeigen den Terassenanbau. Um die Früchte essen zu können, muß man beide Enden mit einem scharfen Messer abschneiden, die Frucht der Länge nach spalten, um sie dann umzudrehen. Jeder Versuch, die Dornen anders zu entfernen, endet in einer Katastrophe, wir haben so unsere Erfahrung damit...

In den steinigen Weiten der südlichen Ebenen scheint Artemisia alba den extremsten Bedingungen standhalten zu können. Ihr stark aromatisches Laub wird in der traditionellen Medizin genutzt, wie auch zahlreiche andere Wildpflanzen der Berge.

 

Es gibt wenige Blumen in dieser halbwüstenartigen Landschaft, aber am Straßenrand spielt hier das Licht im vergoldeten Wurzelwerk einer Quendelseide, einer hitzeliebenden parasitisch lebenden Pflanze.

Ein anderes Seidengewächs von schöner, blutroter Farbe, Cuscute planiflora, lässt sich auf dem Kissen eine kakteenartigen Euphorbie nieder.

Die letzten Oasen des südlichen Anti- Atlas münden in die Hamada, eine riesige Steinwüste, die sich, soweit das Auge reicht, in Richtung Mauretanien ausdehnt.




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