Artenschutz

Mit der Unterzeichnung der CITES durch Marokko im Jahre 1976 wurde eine jahrzehntelange, systematische Ausbeutung der Testudo graeca Populationen des Landes eingeschränkt, auch wenn ein begrenzter Handel mit Nichtunterzeichner-Staaten erhalten blieb, allein 1987 ca 10.000 Tiere, und auch der Verkauf im Lande nicht reglementiert wird.

In den 1950er und 1960er Jahren wurden die Tiere millionfach nach Europa importiert. Allein nach Großbritanien wurden jährlich etwa 300.000 Landschildkröten aus Marokko ausgeführt und auch die anderen europäischen Länder hatten ähnlich hohe Importzahlen. Zusammen mit Habitatsverlusten durch landwirschaftliche Nutzung (Überweidung) und Baumaßnahmen führte das bereits Ende der 70er zu einem akuten Bestandsrückgang auf geschätzte 14 % des früheren Bestandes ( Lambert 1979).

Leider ist der Verkauf innerhalb des Landes noch immer nicht reglementiert. So stellen insbesondere Souvenirprodukte aus Schildkrötenpanzern nachwievor eine ernste Gefahr für die inzwischen sehr kleinen Graeca-Populationen dar. Banjos und Blasebälge, die es praktisch in jedem Touristenort in Massen gibt, werden außerdem wegen ihrer deutlich größeren Größe bevorzugt aus weiblichen Panzern gefertigt und richten dadurch besonderen ökologischen Schaden an (A.C. Highfield).


Deshalb gilt:

Bitte keine Schildkrötensouvenirs oder lebende Tiere aus dem Urlaub mitbringen. Sie tragen damit zur endgültigen Ausrottung von Testudo g. graeca bei!
Und auch wenn sie dort frei verkäuflich sind, dürfen Schildkröten und Schildkrötenprodukte nicht aus dem Lande exportiert werden! Marokko gehört der CITES seit 1976 an. SIE könnten es sein, an denen die marokkanischen Zollbehörden ein Exempel statuieren wollen...




Für die Einfuhr nach Deutschland gibt das Bundesministerium für Finanzen in seiner Eigenschaft als Zollaufsicht bekannt:

Alle Erscheinungsformen (lebend, Präparate, Panzer) von Testudo g. graeca sind nach Anh. A EG-ArtenschutzVO geschützt und unterliegen strengen Einfuhrbestimmungen.

Anhang A enthält die im Anhang I des WA (CITES) aufgeführten Arten (vom Aussterben bedrohte Arten, die durch den Handel beeinträchtigt werden oder beeinträchtigt werden könnten) sowie Arten, die nach Ansicht der Europäischen Union im internationalen Handel so gefragt sind, daß jeglicher Handel das Überleben der Art gefährden würde. Erfaßt sind u.a. einige Affenarten, alle Wale, einige Bären- und Katzenarten, bestimmte Papageien, Greifvögel, Eulen und Kraniche, diverse Landschildkröten und Krokodile, alle Meeresschildkröten, einige Riesenschlangenarten sowie verschiedene Kakteen-, Orchideen-, Euphorbien- und Aloearten.

Die Ein- und Ausfuhr in die und aus der Europäischen Union ist streng reglementiert und erfordert die vorherige Genehmigung einer Artenschutzbehörde eines EU-Mitgliedstaates. Innerhalb der EU unterliegt der Besitz und Handel einschränkenden Bestimmungen. Jeder Kauf oder Verkauf muss grundsätzlich vorher durch die jeweiligen Artenschutzbehörden genehmigt werden. Auch der Besitzer von Exemplaren dieser Arten muss nachweisen können, dass er diese rechtmäßig erworben hat.





Konsequenzen eines Verstoßes gegen die Artenschutzbestimmungen durch illegale Einfuhr:

Leider kommt es immer wieder zu Verstößen gegen die Vorschriften des Artenschutzes. Viele Reisende können den Verlockungen nicht widerstehen, in ihren Urlaubsländern exotische Souvenirs zu erwerben. Dies bleibt in vielen Fällen nicht ohne unangenehme Folgen für die Reisenden. Bei der Einfuhr von geschützten Tieren, Pflanzen und Erzeugnissen daraus müssen Sie mit Folgendem rechnen:


Der illegale Handel mit exotischen Tier- und Pflanzenarten ist ein einträgliches Geschäft allerdings mit dramatischen Folgen: Die unkontrollierte Entnahme von geschützten Tieren und Pflanzen aus der Natur bedroht viele Arten oder deren Population in ihrer Existenz und nicht wenige stehen kurz vor der Ausrottung. Die Reduzierung oder das Verschwinden von Arten führt zur Störung des natürlichen Gleichgewichts der empfindlichen Ökosysteme (Quelle)

Rechtsgrundlagen:

CITES:

Das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) hat sich zum Ziel gesetzt, der weltweiten Naturausbeutung entgegenzuwirken.

CITES geht auf eine Initiative der IUCN (Weltnaturschutz-Union) zurück, die 1963 einen ersten Entwurf vorlegte. Der endgültige Text der Convention wurde 1973 in Washington von 80 Gründerstaaten unterzeichnet und trat am 1.7.1975 in Kraft. Deutschland und Marokko nehmen seit 1976 teil.

CITES ist ein internationales Handels-Abkommen, zu dem sich die Unterzeichnerstaaten freiwillig verpflichten. Nationale Gesetze stellen sicher, daß das Abkommen auch innerhalb eines Staates eingehalten wird. CITES ist eine der größten Weltorganisationen mit derzeit 169 teilnehmenden Staaten und ca. 30.000 geschützten Arten. Nicht teilnehmende Staaten sind nicht daran gebunden, können aber nicht in teilnehmende Staaten exportieren, denn diese dürfen nicht von dort importieren.

Tiere, die im WA gelistet sind und im Bereich der Gültigkeit verkauft werden, brauchen CITES-Vermaktungsbescheinigungen:



Ältere CITES -Bescheinigung für eine im Ausland gezogene NZ
(gültig ohne Fotodokumentation)



EU-Verordnung:

Um den Erfordernissen des Europäischen Binnenmarktes gerecht zu werden, gelten seit dem 1. Juni 1997 in der EU neue Rechtsgrundlagen, die die seit 1984 bestehenden Bestimmungen ersetzt haben. Das neue europäische Artenschutzrecht setzt das WA und zum Teil auch EU-Richtlinien um. Die Ein- und Ausfuhr sowie die kommerzielle Verwendung der geschützten Exemplare werden für alle Mitgliedstaaten der EU einheitlich und verbindlich geregelt. Tiere, die innerhalb der EU verkauft werden, brauchen EU -Vermarktungsgenehmigungen mit Fotodokumentation. Diese Vermarktungsgenehmigungen werden von der Behörde ausgestellt, bei der die Tiere gemeldet sind.


Ohne diese Bescheinigung ist eine Weitergabe von geschützten Tieren ( jünger als NZ 96 ) in der EU illegal!


EU-Papiere mit Fotodokumentation
(in den Papieren werden neue Fotos der Jungtiere nach zwei Jahren gefordert)


Meldepflicht

Testudo graeca gehört in Deutschland zu den meldepflichtigen Arten. Tiere, die neu erworben wurden oder frisch geschlüpft sind, müssen den zuständigen Behörden umgehend gemeldet werden. Auch Abgänge, also Verkäufe, entkommene Tiere oder Todesfälle müssen gemeldet werden, genau wie jeder Standortwechsel der Tiere.

Eigene Nachzucht, die NICHT verkauft werden soll, muß dagegen nur gemeldet werden, benötigt aber keine Vermarktungsbescheinigungen (also keine gelben EU-Papiere).




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